Fünf Jahre „Mitenand goht’s ringer“
Die leuchtend gelben Sicherheitswesten mit dem Slogan „Für mis Dorf“ fallen vor allem Fremden auf, wenn sich Frauen und Männer auf ihrem Quartierrundgang durch das Dorf befinden. Die Rickenbacher wissen, dass es sich dabei um Teilnehmende des Sozialhilfeprojektes „Mitenand goht’s ringer handelt“. Momentan sind über 20 Personen in dem Projekt integriert, das in vier Bereichen tätig ist: Bereitstellung von Brennholz, Quartierrundgänge, Mittagstisch und Hilfe bei älteren Personen. Vor genau fünf Jahren konnte das Projekt „Mitenand goht’s ringer“ nach einigen Monaten Vorarbeit gestartet werden. In diesem Projekt werden primär Fürsorgeklientinnen und -klienten aufgenommen, die auf Grund ihrer persönlichen, familiären, gesundheitlichen oder sozialen Situation nicht in ein regionales Beschäftigungsprogramm integriert werden können. Diese arbeiten während acht Stunden pro Woche in diesem Beschäftigungsprogramm.
Förderung der Reintegration
Das Projekt fördert die Anerkennung und Wertschätzung der eingebundenen Klientinnen und Klienten und leistet einen Beitrag zum Erhalt und zur Förderung der individuellen Fähigkeiten der eingebundenen Personen. Es hat dazu beigetragen, dass dem Negativimage von Fürsorgeklienten entgegenwirkt werden konnte. „Das Programm bietet Arbeiten im Bereich der erweiterten Nachbarschaftshilfe sowie zu Gunsten der Allgemeinheit an und ist keine Konkurrenz zu anderen Institutionen, sondern eine Ergänzung“, betont Ernst Bucher, Leiter des Sozialamtes, der das Projekt seit Beginn leitet. Bis vor fünf Jahren hat die Zahl der Fürsorgeklienten in Rickenbach stetig zugenommen und im Jahr 2006 einen Höhepunkt erreicht. Damals bearbeitete das Sozialamt Rickenbach 76 Fälle. Heute sind es deren 67 Sozialhilfe-Dossiers.
Ausserordentliches Ergebnis
Das Projekt ist nach fünf Jahren in der Gemeinde etabliert. Kritische Stimmen, die vor allem von ausserhalb des Dorfes stammten, sind längst verstummt. Die Anstrengungen haben sich gelohnt. Nun stimmt auch das finanzielle Ergebnis: „Im Jahr 2011 gibt es ein positives, finanzielles Ergebnis im Fürsorgebereich. Einem Unterstützungsaufwand von rund 1,341 Mio. Franken stehen Erträge von rund 1,507 Mio. Franken gegenüber. Damit kann ein Ertragsüberschuss von rund 166‘000 Franken ausgewiesen werden. Gegenüber dem Budget ist dies eine Besserstellung von satten 758‘000 Franken. Erwähnenswert dabei ist, dass neben den höheren Rückvergütungen auch der Aufwand gegenüber dem Voranschlag um 63‘000 Franken tiefer ausgefallen ist. „Bei diesem erfreulichen Ergebnis handelt es sich um ein ausserordentliches Resultat. Es ist nicht direkt und nicht nur auf unser kommunales Beschäftigungs-Programm zurückzuführen“, betont Ernst Bucher, „sondern ist mit der grossen Summe an Rückvergütungen von Renten, IV, Ergänzungsleistungen und Alimenten zu erklären“, stellt der Leiter des Rickenbacher Sozialamtes klar. Ebenso wichtig, wenn nicht sogar wichtiger als das kommunale Beschäftigungsprogramm, seien die Einsätze der Fürsorgeklienten in Sozialfirmen. Dort arbeiten sie mit einem Pensum von 50 bis 100 Prozent. Die Entwicklung der letzten Jahre zeigt aber klar auf, dass das Projekt „Mitenand goht’s ringer“ auch auf das finanzielle Ergebnis einen Einfluss hat.
So konnten die Fürsorge-Brutto- und -Nettoaufwände kontinuierlich gesenkt werden. Während im Jahr 2006 der Fürsorge-Nettoaufwand bei 742‘000 Franken lag, sank er in den darauffolgenden Jahren auf 648‘000 Franken (2007), 643‘000 Franken (2008), 498‘000 Franken (2009), 396‘000 Franken (2010). „Zum fünfjährigen Bestehen des Programmes konnte nun das Ergebnis von einem Nettoaufwand in einen Nettoertrag umgewandelt werden. Dies ist ein Resultat, auf das man sicher stolz sein kann“, erklärt Ernst Bucher.